Filmpalast für zu Hause

Heimkino (Bigstock by Minerva Studio, Stock Foto 48907979)

Der Kampf um den Thron der besten Heimkinosysteme geht in eine neue Runde. Früher unangefochten an der Spitze waren Beamer das Nonplusultra für majestätischen Filmgenuss in den eigenen vier Wänden – zum Leidwesen vieler nur gegen hohe Anschaffungskosten. Doch das Rad der Zeit und der technischen Entwicklung dreht sich stets weiter. Immer größer werdende TV-Bildschirme, auch mit 4K Auflösung, stellen ihre potentiellen Besitzer vor die Wahl: Flachbildfernseher kaufen oder sich lieber doch einen Heimkino-Projektor zulegen? 
Der Markt schläft nicht, die neue Technik und stets sinkende Kosten locken Kunden mit Angeboten, die auch für kleinere Einkommensklassen eine planbare und realistische Finanzierung in Aussicht stellen. Wer sich noch nie mit Technik und Einsatzgebiet von Beamern fürs das eigene Wohnzimmer beschäftigt hat, sollte also nun hellhörig werden. Was gehört zum Einrichten eines Systems dazu, welche Projektoren kommen in Frage und wie schlagen diese sich im Vergleich zu ihrer Flachbildschirm-Konkurrenz? Der folgende Artikel gibt einen Überblick.

Heimkino, wie geht das?

Ein Heimkinosystem erfordert eine vorausschauende und sorgfältige Planung. Prinzipiell ersetzt ein Projektor den TV-Bildschirm. Filme werden mit unterschiedlichen Techniken auf eine Leinwand geworfen. Zur Not kann auch eine weiße Zimmerwand genutzt werden, diese ist aber auf keinen Fall den käuflichen Leinwänden vorzuziehen. Zu beachten ist das Projektionsfläche und Projektor das gleiche Bildformat unterstützen. Eine besonders einzigartige Atmosphäre kommt erst auf, wenn für den Betrieb notwendige Rahmenbedingungen genau aufeinander abgestimmt sind. Wie auch beim TV sind die Dimension der Räumlichkeiten ein entscheidender Faktor. Abhängig ist das von der verwendeten Filmnorm, der Auflösung und des Bildformates. Damit die Installation für Erstkäufer eines Beamers nicht einer undurchschaubaren Wissenschaft gleichkommt, kann man sich einfach folgender Faustregeln bedienen: Gefühlt sollte ein Abstand ausgesucht werden, der einem das Erkennen von Pixelrastern sowie Unschärfe unmöglich macht und die Augen nicht ermüdet. Je nach Bildformat und Qualität gibt es unterschiedlichste Empfehlungen. Sie reichen von 1,5 bis 2-facher Leinwandbreite für den minimalen Sitzabstand. Hier spielt auch die Technik des Beamers und sein Pixelgitter eine bedeutsame Rolle.

LCD-Beamer
LCD-Beamer sind günstig in der Herstellung und haben das größte Raster zwischen den einzelnen Bildpunkten, was bei entsprechender Vergrößerung auch deutlich sichtbar wird. Ein größerer Sitzabstand wird so automatisch notwendig. Mit 50 % stellt das Gitter einen enormen Anteil des Gesamtbildes dar. Einige Hersteller versuchen diese mit Glättungstechniken spürbar zu reduzieren.

DLP-Chip
Ein Chip, der mit schwenkbarer Spiegeltechnik arbeitet und dessen Leiterbahnen nicht zwischen den Pixeln, sondern dahinter angeordnet sind. Ein Mindestmaß an Freiraum für die Ausrichtung muss vorhanden sein. Daher ist diese Technik nicht gänzlich frei von dem Gittermuster, wenn auch der LCD-Technik überlegen. Ein möglicher Nachteil ist das farbige Nachglühen bei bestimmten Mustern und bewegten Bildern, was unter der Bezeichnung „Regenbogeneffekt“ bekannt ist.

LCoS
Steht für Liquid Crystal on Silicon und vereinigt die Vorteile der DLP/LCD-Technik.
Mit einer Bildfüllrate von grob 90 % gehört er zu den qualitativ hochwertigen Heimkino-Projektoren. Ohne auffällige Muster, kann man hier auch etwas näher an die Leinwand rücken. Die fehlende Pixelstruktur interpretieren manche Zuschauer häufig auch als fehlende Schärfe, was eher der subjektiven Wahrnehmung und Sehgewohnheiten geschuldet ist.

Alles hat seinen Platz
Abgedunkelte Räume eigenen sich besonders gut, um den geliebten Blockbustern den letzten Feinschliff zu verleihen. Doch auch hier liegt der Teufel im Detail. Starkes Projektionslicht wird von umliegenden Wänden reflektiert und erleuchtet so zusätzlich den Raum. Eine matte, dunkle Einrichtung und Tapete federn diesen Effekt sichtbar ab und sind aus diesem Grund für den Einsatz von Beamern die erste Wahl. Erst bei finstersten Lichtverhältnissen kommen Kontraste und Farben richtig zur Geltung und erzeugen darüber hinaus das unvergleichliche Gefühl in einem Kinosaal zu sitzen. Der richtige Abstand zur Wand erzeugt das beste Bild. Die Schärfe kann häufig auch nachträglich mit der Projektoren-Linse reguliert werden. Der Lense-Shift, auch Linsenverstellung genannt, wirft das Bild optisch verzerrt auf die Wand. Dadurch werden ungünstige Projektionswinkel und Entfernungen ausgeglichen. Für die Korrektur des Bildes ist dies eine sehr komfortable Funktion und erleichtert das Einrichten des Gerätes.

Achillesversen und Störfaktoren
Fernseher und Beamer haben aktuell eine große Schwäche: das Audiosystem. Beide Geräte haben häufig nicht den notwendigen Platz, um große Wohnzimmer und Räume mit einem satten, klaren Sound auszufüllen. Schwache, scheppernde Stereo-Boxen haben in einem Kinozimmer keine Daseinsberechtigung. Alles oder nichts lautet hier die Devise. Sparfüchse entscheiden sich mit einer Soundbar für die kompakte Notlösung. Deutlich besser ist das Installieren eines 5.1– oder, sofern die Räumlichkeiten es gestatten, 7.1 Soundsystems.
Unangenehm fallen Beamer in einem ganz anderen Bereich auf: Die eingebauten Lampen sind eine wahre Hitzequelle. Zusammen mit der Hardware müssen diese vor dem Hitzetod bewahrt werden. Lautstark brummende Lüfter können da einem schnell das erhoffte Kinoerlebnis verderben. Hier gilt es Information einzuholen, wie es sich bei entsprechendem Modellen verhält. Je weiter der Projektor vom Zuschauer entfernt ist, desto geringer ist der Schallpegel des Kühlsystems. Zur Not kann man auch mit einer eigens konstruierten Hush-Box den Störgeräuschen einen Dämpfer verpassen. Den Beamer versteckt man dabei in einem schallschluckenden Gehäuse. Das Problem wird dadurch minimiert, lässt aber die Maße des Geräts ansteigen. Daher ist dieses unter Umständen nicht mehr an den gewünschten Orten platzierbar. Eine Aufhängung an der Decke wäre hier eine mögliche Alternative. Spezielle Varianten mit Wasserkühlungen befreien die Ohren von den nervigen Hintergrundgeräuschen, kosten aber vergleichsweise deutlich mehr. Gelungen, satte Farbdarstellungen mit umfangreichen Kontrasten gehen Hand in Hand mit der Leuchtleistung des Projektors und der Umgebungsbeleuchtung. Kann ein Zimmer nicht richtig abgedunkelt werden, leidet das Bild wohl möglich unter matter und kraftloser Darstellung.

Einsatzmöglichkeiten eines Alleskönners

Selbstverständlich lässt sich das Heimkino auf unterschiedliche Arten nutzen. Es muss nicht immer der Kinofilm sein – nein – auch normale Serien auf DVD oder als gigantischer Monitorersatz für Computerspiele sind denkbare Anwendungsgebiete. In Kombination mit Spielkonsolen verwandelt sich das Kinozimmer in einen wahren Spielpalast, der virtuelle Welten zum Greifen nahe erscheinen lässt. Auch zu Unterrichtszwecken in Schulen und Präsentationen lassen sich die Projektoren hervorragend nutzen: Bildschirminhalte landen auf großer Entfernung gut leserlich für die Zuschauer auf einer Leinwand – ein Fernseher wäre hier eine völlige Fehlbesetzung. Große Sportereignisse werden erst durch ausreichende Vergrößerung bei einem Public-Viewing den Fanmassen zugänglich gemacht. In diesem Fall finden in ihrer Leuchtstärke besonders potente Modelle ihre Verwendung, damit dem Tageslicht ausreichend getrotzt werden kann.

Stärken und Schwächen gegenüber dem Flachbild-TV
Einzigartig ist die Mobilität von Beamern – kein Fernseher kann da mithalten. Eingepackt für ein Treffen bei Freunden, ist er leicht transportabel und bei weitem nicht so gebrechlich oder sperrig wie ein großer Fernseher. Die sinkenden Preise machen Beamer zu einem Objekt der Begierde aller Kinofreunde, dennoch ist es mit dem Kauf des Geräts alleine noch nicht getan. Eine Signalquelle wie eine Set-Top-Box, ein Blu-ray-Player oder ein PC-System wird benötigt – von den anderen bereits erwähnten Faktoren ganz einmal abgesehen. Der Stromverbrauch ist auch eine Hausnummer für sich: Nicht selten ziehen die leuchtstarken Projektoren für den Heimbereich 200–300 Watt aus der Steckdose und kommen zudem mit einer störenden Hitze- und Geräuschentwicklung durch Lüfter daher. Wurde alles Notwendige für eine perfekte Einrichtung getan, kann sich die Bildqualität gegenüber der eines TVs ohne Weiteres behaupten. Trotz starker Vergrößerung fallen scharf gestochene und kontrastreiche Farben in das Auge des Betrachters. Die reine Projektionsgröße spricht dabei für sich und ist ohnehin einer der wichtigsten Gründe für die Anschaffung eines solchen Gerätes.

Immer noch ungeschlagen auf seinem Gebiet
Preislich hat sich viel getan in den letzten Jahren. Hersteller stehen unter dem Druck, der neuen TV-Generation im UHD/4K-Format etwas entgegenzusetzen. Günstige LCD-Projektoren in Full-HD kosten zwischen 400-800€. Auflösungen unterhalb des HD-Formats sind nicht mehr zeitgemäß und sollten gemieden werden. Unverfälschte Kinoabenteuer im privaten Heim werden durch Heimkino-Projektoren erst ermöglicht. Namhafte Hersteller sind beispielsweise Epson, Acer, Sony, Panasonic, LG Electronics oder Samsung. Wer keine halben Sachen machen möchte, sorgt darüber hinaus auch für die passende Bedingungen. Einrichtung, Positionierung und Kontrolle über den Lichteinfall und Reflexionen bleiben in diesem Fall unerlässlich. Ist einfach nur ein großes Bild erwünscht, kann natürlich trotzdem zugegriffen werden – Abstriche bei der Darstellungsqualität müssen dabei jedoch in Kauf genommen werden.
Unkompliziert und einfach in der Handhabung umgarnen in diesem Bereich aber auch großformatige Flachbildfernseher Interessenten für den Heimkinobedarf. Die neue OLED-Technik sorgt auch bei normalen Lichtverhältnissen für ein ausgezeichnetes Bild. Auflösungen mit 3840 × 2160 werden in Zukunft ein verlockendes Filmerlebnis auf den Schirm zaubern. Bis es aber entsprechende Inhalte in Form von Film und Serie zu akzeptablen Anschaffungskosten gibt, bleibt die Investition in einen Full-HD-Beamer eine sehr attraktive Möglichkeit für einen unterhaltsamen und authentischen Filmabend. Der König des Heimkinobereiches wird angegriffen, gibt sein Zepter aber deswegen noch lange nicht aus den Händen. Für Freunde des Films gilt uneingeschränkt: Heimkino-Projektoren bleiben in ihrem Anwendungsbereich der Platzhirsch und konkurrenzlos empfehlenswert.

Wichtige Faktoren fürs Heimkino:

  • mindestens HD-Auflösung
  • Medienquellen wie Blu-ray, PC oder Set-Top-Box
  • optionales Soundsystem für angemessene Akustik
  • Leinwand als Projektionsfläche in passendem Format
  • ausreichend Platz für Installation
  • Lichtverhältnisse berücksichtigen

Bildquelle: (Bigstock by Minerva Studio, Stock Foto 48907979)

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